Abbinden in der Geschichte
Bereits 200 vor Christus waren in der Medizin Techniken des Abbindens für den Notfall bekannt. Anfang des 18. Jahrhunderts etablierte sich der Begriff Tourniquet (franz. Drehkreuz, Aderpresse) durch den Anatomen Jean-Louis Petit. Erst nach dem Vietnamkrieg jedoch wurde deutlich, wie viele Todesfälle auf Verblutungen zurückzuführen sind. Seit 1996 ist die Versorgung mit Tourniquet bei schwerwiegenden Verletzungen der Extremitäten während militärischer Kampfhandlungen als Standard (Combat Action Tourniquet im Rahmen der TCCC = Tacital Combat Casualty Care) etabliert.
Grundsätzlich sollte lediglich medizinisch geschultes Fachpersonal, z. B. Betriebsärzte, Tourniquets kaufen. Im Rahmen unserer Kaufberatung können wir nur auf einige Punkte eingehen, auf die Sie beim Kauf achten können. Welches das beste Tourniquet ist, hängt letztlich von Ihrem Einsatzgebiet und der Anwendung des Tourniquets ab – wenn auch zu hoffen ist, dass es zu einer Anwendung tatsächlich gar nicht kommen muss.
2.1. Einhändige Bedienung
Beim Anlegen eines Tourniquets sind rasche und unkomplizierte Handhabung das A und O. Daher sind die Abbindsysteme so konzipiert, dass sie mit nur einer Hand bedient werden können. Detaillierte Anleitungen, wie Tourniquets angelegt werden, finden Sie im Internet und auf YouTube und sollten Sie vor allen Dingen aus entsprechenden Schulungen kennen.
Wir möchten an dieser Stelle nur in aller Kürze darauf verweisen, dass ein Tourniquet, wie diverse Tests im Internet bestätigen, etwa eine Handbreit oberhalb der Wunde platziert werden sollte. Das Band wird dann durch die Schlaufe gezogen und nach hinten hin festgezogen. Im Anschluss erfolgt das Festdrehen des Tourniquets mittels des Knebels, der dann eingehakt wird. Das Festziehen sollte so weit erfolgen, bis die Blutung gestoppt ist.
Achtung: Beim Knebeln verspürt der Verletzte starke Schmerzen. Unabhängig davon muss das Tourniquet wirklich so fest geknebelt werden, bis kein Blutfluss mehr besteht. Wichtig ist zudem, die Uhrzeit des Anlegens zu vermerken. Daher sind Tourniquets in der Regel mit einem weißen, beschreibbaren “Time”-Schreibfeld ausgestattet.

Tourniquets verfügen über ein Schriftfeld, um die genau Zeit des Anlegens festzuhalten.
2.2. Zulassung
Ein Tourniquet zählt zu den medizinischen Geräten bzw. Hilfsmitteln. Medizinprodukte dieser Art werden vom Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte regelmäßig kontrolliert. Bei Unsicherheiten zu einem Produkt informieren Sie sich auf den Seiten des Ministeriums.
2.3. Material
Nur die robustesten und besten Tourniquets retten Leben. Daher wird für das Band selbst meist Nylon verwendet, welches extrem widerstandsfähig ist. Achten Sie auch auf das Material der Verschlüsse: So setzen einige Hersteller beispielsweise auf solides Flugzeugaluminium an den Verschlüssen und auf Metallclips anstatt Klett, wie z. B. bei den Tourniquets von S.A.M. Diese Materialien sorgen auch für die Einhaltung der Hygiene und lassen sich leicht reinigen.
2.4. Tourniquet-Halterung
Im Notfall müssen Sie ein Tourniquet-Kit schnell parat haben können. Um nicht erst lange im Rucksack wühlen zu müssen, gibt es spezielle Tourniquet-Halterungen bzw. Tourniquet-Taschen zu kaufen. Diese sind aus robustem Material gefertigt und können mittels Schlaufen am Gürtel oder am Oberschenkel befestigt werden. Viele haben auch ein Extra-Fach für eine Trauma-Schere. Die Vor- und Nachteile einer Tourniquet-Tasche bzw. -Pouch hier nochmals im Überblick:
Vorteile- schneller Zugriff
- für andere Helfer schnell auffindbar
- weitere Hilfsmittel können dazu verstaut werden
- flexible Anbringung
Nachteile- zusätzliche Kosten
2.5. Maße
Die meisten Tourniquets haben eine Länge von 95 oder 96 cm, was für das Abbinden von Extremitäten in der Regel mehr als ausreichend ist. Viel wichtiger als die Länge ist eine ausreichende Breite: Diese sollte, wie einige Tourniquet-Tests im Internet betonen, vier Zentimeter betragen, um einen ausreichenden Druck gewährleisten zu können.
2.6. Farbe
Um ästhetische Vorlieben sollte es bei der Wahl eines Tourniquets nicht gehen. In der Regel haben sich inzwischen schwarze Tourniquets im Militär und Tourniquets in Orange in anderen Berufsfeldern etabliert. Dies hat sicherlich praktische Vorteile: So können orange Tourniquets im Notfall schnell erblickt und gefunden werden, während ein Tourniquet in schwarz unauffälliger ist und Soldaten und Soldatinnen in der Tarnung unterstützt. Zwingende Vorschriften hierfür gibt es allerdings nicht, und wenn Sie denn ein Tourniquet in Ihrer Lieblingsfarbe suchen, werden Sie auch hier höchstwahrscheinlich fündig.

Bunte Tourniquets sind im Notfall schneller zu sehen, dienen jedoch nicht der Tarnung.