Ratgeberübersicht
  1. Was ist ein Tourniquet und wie wird es angewendet?
  2. Worauf ist beim Vergleich von Tourniquets zu achten?
  3. Weitere Antworten und Fragen von Kunden, die nach Tourniquet-Tests bzw. -Vergleichen suchen
  • Ein Tourniquet ist ein medizinisches Gerät bzw. Hilfsmittel, welches bei lebensgefährlichen Verletzungen an den Extremitäten angewandt wird. Das Band wird oberhalb der Wunde angelegt und mittels eines Knebels so festgezogen, dass die Blutung temporär gestoppt wird.
  • Tourniquets finden vor allem im militärischen Einsatz Verwendung. Inzwischen ist es auch meist Teil der Ausrüstung bei Sanitätern, Polizisten und Feuerwehrleuten. Auch bei Betrieben mit großem Verletzungsrisiko müssen Verantwortliche im Umgang geschult sein.
  • Ein Tourniquet sollte aus robustem Material bestehen und einen festen Verschluss haben. Außerdem ist eine ausreichende Breite wichtig. Um es im Notfall schnell zur Hand zu haben, ist die Investition in eine Tasche sinnvoll.

Tourniquet im Test: Arm mit angelegtem Tourniquet.

Tourniquets zählen seit den 90ern zur Standardausrüstung vieler Personen, die in Notfallsituationen zugegen sind. Das Abbinden schwerwiegender arterieller Verletzungen an Armen oder Beinen mit einem Tourniquet kann in einigen Fällen die einzige noch mögliche lebensrettende Maßnahme sein.

Worauf Sie bei einem Vergleich von Tourniquets achten sollten, erfahren Sie in unserer Kaufberatung 2025 von WELT.de.

1. Was ist ein Tourniquet und wie wird es angewendet?

Tourniquet im Test: Knebel von einem Tourniquet am Arm wird festgezogen

Mechanische Tourniquets werden mit einem Knebel festgezogen.

Im ersten Kapitel unserer Kaufberatung möchten wir erläutern, was ein Tourniquet ist, welche verschiedenen Arten von Tourniquet es gibt und in welchen Gebieten sie in erster Linie zum Einsatz kommen.

1.1. Tourniquet Definition

Beim sogenannten Tourniquet handelt es sich um ein medizinisches Abbinde-System, welches zum Abbinden bzw. Stauen einer schwerwiegenden Blutung an den Extremitäten verwendet wird. Unterschieden wird zwischen zwei Arten von Tourniquets:

Art Beschreibung
Pneumatische Tourniquets
  • ähnelt einer Blutdruckmanschette
  • Druck entsteht durch Aufblasen einer Manschette mit einem Ballon
  • wird meist im OP, z. B. in der Unfallchirurgie, verwendet
  • verbesserte Sichtbarkeit beim Operieren durch Stilllegung des Blutflusses
Mechanische Tourniquets
  • Druck entsteht durch die Rotation eines Knebels
  • das Band verkürzt sich, Extremität wird komprimiert

Durch ein Tourniquet wirkt Kompression und Druck auf die betroffene Stelle, sodass die Gefäße temporär verschlossen und die Blutung gestillt wird.

Achtung: Ein Tourniquet sollte nur von ausgebildeten und fachkundigen Personen angelegt werden. Es dient der Stillung lebensbedrohlicher Blutungen, wird also bei schweren arteriellen Verletzungen an Armen oder Beinen angewandt. Es gilt, ein Tourniquet abzugrenzen von Venenstauern oder Stauschläuchen, welche in der Medizin zur Fixierung einer Vene verwendet werden. Auch bei kleineren Verletzungen, z. B. am Finger, wird ein Tourniquet nicht verwendet. Hier hilft in der Regel ein Druckverband.

1.2. Anwendungsgebiete

Das Anlegen eines Tourniquet-Systems muss von einigen Berufsgruppen im Rahmen der Ersten Hilfe erlernt und auch regelmäßig wiederholt werden. Hierzu zählen neben Militär und Sanitätern zum Beispiel auch Firmen mit besonderem Risiko für (schwere) Verletzungen an Extremitäten, z. B. Waldarbeiter.

Doch auch für einige Freizeitaktivitäten kann es lebensrettend sein, ein Tourniquet dabei zu haben und zu wissen, wie man es korrekt anlegt. Mehr über die verschiedenen Tourniquet-Typen und die Anwendung von Tourniquets erfahren Sie in unserer Tabelle von WELT.de:

Art Beschreibung
Tourniquets bei der Bundeswehr

(C.A.T-Tourniquet)

  • Combat Action Tourniquet (Tourniquet C.A.T)
  • ist neben Helmen, Westen etc. essenzieller Teil der Schutzausrüstung
  • Befestigung des Tourniquets außerhalb der Tasche für schnellen Zugriff
  • dient erster Hilfe bei Schwerverletzten durch Sprengsätze, Gefecht etc.
Tourniquets im BOS

(E.M.T-Tourniquet)

  • Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei führen Tourniquets inzwischen meist mit
  • oftmals Emergency & Military Tourniquet (E. M. T.)
  • breitere Auflagefläche, geringeres Risiko von Gewebeschäden
  • optische Ähnlichkeit zu Blutdruckmanschette
Tourniquets im zivilen Bereich
  • beim Bergsteigen, Wandern oder anderen gefährlichen Hobbies kann es lebensrettende Maßnahme sein
  • daher führen einige Personen Tourniquet-Kit mit
  • richtiges Anlegen und Anwendung eines Tourniquets hier unabdingbar

Hinweis: Improvisierte Tourniquets aus Gürteln oder Kleidung können in der Regel nicht die gleiche Kompression auf eine Arterie bewirken wie ein Tourniquet. Auch benötigen Sie mehr Zeit zum Anlegen, was den Verletzten wertvolles Blut kosten kann.

2. Worauf ist beim Vergleich von Tourniquets zu achten?

Abbinden in der Geschichte

Bereits 200 vor Christus waren in der Medizin Techniken des Abbindens für den Notfall bekannt. Anfang des 18. Jahrhunderts etablierte sich der Begriff Tourniquet (franz. Drehkreuz, Aderpresse) durch den Anatomen Jean-Louis Petit. Erst nach dem Vietnamkrieg jedoch wurde deutlich, wie viele Todesfälle auf Verblutungen zurückzuführen sind. Seit 1996 ist die Versorgung mit Tourniquet bei schwerwiegenden Verletzungen der Extremitäten während militärischer Kampfhandlungen als Standard (Combat Action Tourniquet im Rahmen der TCCC = Tacital Combat Casualty Care) etabliert.

Grundsätzlich sollte lediglich medizinisch geschultes Fachpersonal, z. B. Betriebsärzte, Tourniquets kaufen. Im Rahmen unserer Kaufberatung können wir nur auf einige Punkte eingehen, auf die Sie beim Kauf achten können. Welches das beste Tourniquet ist, hängt letztlich von Ihrem Einsatzgebiet und der Anwendung des Tourniquets ab – wenn auch zu hoffen ist, dass es zu einer Anwendung tatsächlich gar nicht kommen muss.

2.1. Einhändige Bedienung

Beim Anlegen eines Tourniquets sind rasche und unkomplizierte Handhabung das A und O. Daher sind die Abbindsysteme so konzipiert, dass sie mit nur einer Hand bedient werden können. Detaillierte Anleitungen, wie Tourniquets angelegt werden, finden Sie im Internet und auf YouTube und sollten Sie vor allen Dingen aus entsprechenden Schulungen kennen.

Wir möchten an dieser Stelle nur in aller Kürze darauf verweisen, dass ein Tourniquet, wie diverse Tests im Internet bestätigen, etwa eine Handbreit oberhalb der Wunde platziert werden sollte. Das Band wird dann durch die Schlaufe gezogen und nach hinten hin festgezogen. Im Anschluss erfolgt das Festdrehen des Tourniquets mittels des Knebels, der dann eingehakt wird. Das Festziehen sollte so weit erfolgen, bis die Blutung gestoppt ist.

Achtung: Beim Knebeln verspürt der Verletzte starke Schmerzen. Unabhängig davon muss das Tourniquet wirklich so fest geknebelt werden, bis kein Blutfluss mehr besteht. Wichtig ist zudem, die Uhrzeit des Anlegens zu vermerken. Daher sind Tourniquets in der Regel mit einem weißen, beschreibbaren “Time”-Schreibfeld ausgestattet.

Tourniquet im Test: Zwei schwarze Tourniquets auf hellem Untergrund

Tourniquets verfügen über ein Schriftfeld, um die genau Zeit des Anlegens festzuhalten.

2.2. Zulassung

Ein Tourniquet zählt zu den medizinischen Geräten bzw. Hilfsmitteln. Medizinprodukte dieser Art werden vom Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte regelmäßig kontrolliert. Bei Unsicherheiten zu einem Produkt informieren Sie sich auf den Seiten des Ministeriums.

2.3. Material

Nur die robustesten und besten Tourniquets retten Leben. Daher wird für das Band selbst meist Nylon verwendet, welches extrem widerstandsfähig ist. Achten Sie auch auf das Material der Verschlüsse: So setzen einige Hersteller beispielsweise auf solides Flugzeugaluminium an den Verschlüssen und auf Metallclips anstatt Klett, wie z. B. bei den Tourniquets von S.A.M. Diese Materialien sorgen auch für die Einhaltung der Hygiene und lassen sich leicht reinigen.

2.4. Tourniquet-Halterung

Im Notfall müssen Sie ein Tourniquet-Kit schnell parat haben können. Um nicht erst lange im Rucksack wühlen zu müssen, gibt es spezielle Tourniquet-Halterungen bzw. Tourniquet-Taschen zu kaufen. Diese sind aus robustem Material gefertigt und können mittels Schlaufen am Gürtel oder am Oberschenkel befestigt werden. Viele haben auch ein Extra-Fach für eine Trauma-Schere. Die Vor- und Nachteile einer Tourniquet-Tasche bzw. -Pouch hier nochmals im Überblick:

    Vorteile
  • schneller Zugriff
  • für andere Helfer schnell auffindbar
  • weitere Hilfsmittel können dazu verstaut werden
  • flexible Anbringung
    Nachteile
  • zusätzliche Kosten

2.5. Maße

Die meisten Tourniquets haben eine Länge von 95 oder 96 cm, was für das Abbinden von Extremitäten in der Regel mehr als ausreichend ist. Viel wichtiger als die Länge ist eine ausreichende Breite: Diese sollte, wie einige Tourniquet-Tests im Internet betonen, vier Zentimeter betragen, um einen ausreichenden Druck gewährleisten zu können.

2.6. Farbe

Um ästhetische Vorlieben sollte es bei der Wahl eines Tourniquets nicht gehen. In der Regel haben sich inzwischen schwarze Tourniquets im Militär und Tourniquets in Orange in anderen Berufsfeldern etabliert. Dies hat sicherlich praktische Vorteile: So können orange Tourniquets im Notfall schnell erblickt und gefunden werden, während ein Tourniquet in schwarz unauffälliger ist und Soldaten und Soldatinnen in der Tarnung unterstützt. Zwingende Vorschriften hierfür gibt es allerdings nicht, und wenn Sie denn ein Tourniquet in Ihrer Lieblingsfarbe suchen, werden Sie auch hier höchstwahrscheinlich fündig.

Tourniquets im Test: Soldat legt blaues Tourniquet am Bein an.

Bunte Tourniquets sind im Notfall schneller zu sehen, dienen jedoch nicht der Tarnung.

3. Weitere Antworten und Fragen von Kunden, die nach Tourniquet-Tests bzw. -Vergleichen suchen

In unserer abschließenden FAQ-Kategorie haben wir einige Fragen aus diversen Tourniquet-Tests im Internet zusammengetragen und für Sie beantwortet.

3.1. Sind Tourniquets in Deutschland erlaubt?

Grundsätzlich sind Tourniquets in Deutschland nicht verboten. Sie sollten allerdings nur von ausgebildetem, fachkundigem Personal angelegt werden. Bestimmte Berufsgruppen werden im Anlegen eines Tourniquets geschult und müssen die Schulung regelmäßig wiederholen.

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3.2. Wie lange abbinden mit Tourniquet?

Diverse Online-Tests von Tourniquets geben eine Dauer von zwei Stunden als sicher an. Wird der Verletzte zügig und innerhalb dieses Zeitraums behandelt, kommt er womöglich ohne schwerwiegende Folgen davon. Erst ab ca. 3,5 Stunden sind größere Schäden zu erwarten, ab 5 Stunden können die Folgen kritisch sein. Das liegt daran, dass sich in dieser Zeit an der Stelle der Abbindung Giftstoffe sammeln, die nach dem Abnehmen des Bands in den Körper eindringen können.

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3.3. Wie schnell sollte man ein Tourniquet anlegen?

Ein Tourniquet sollte möglichst zeitnah angelegt werden, wenn weitere Mittel zur Kompression erfolglos sind. Weiterer Blutverlust sollte so schnell wie möglich unterbunden werden.

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3.4. Wie viel kosten Tourniquets?

Der Preis hängt davon ab, welche Art Tourniquet-Kit Sie wählen. Ein günstiges Tourniquet erhalten Sie einzeln bereits ab etwa 6 Euro. Meist werden hochwertigere Tourniquets jedoch im Doppelpack zu ca. 35 Euro angeboten. Darüber hinaus enthalten die Kits auch häufig andere Hilfsmittel für Notfälle.

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3.5. Was sagt die Stiftung Warentest zu Tourniquets?

Die Stiftung Warentest hat bislang noch keinen Tourniquet-Testsieger gekürt. Da Tourniquet-Tests und Kontrollen in diesem Falle aber dem Bundesministerium für Arzneimittel und Medizinprodukte unterliegen und es sich um ein Produkt handelt, mit welchem nicht-medizinisches Personal eher nicht in Berührung kommt, hat die Stiftung Warentest hieran wahrscheinlich auch wenig Interesse. Zu renommierten Marken und Herstellern von Tourniquets zählen C-A-T, S.A.M., SOF, SWAT-T.

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Im Video vorgestellt: Tourniquet

In diesem spannenden YouTube-Video “Three tourniquets test” werden drei verschiedene Tourniquets in einem aufschlussreichen Experiment getestet. Erfahre, welches Tourniquet die beste Leistung erzielt und welche Faktoren bei der Auswahl zu berücksichtigen sind. Von der Funktionalität bis zur Anwendungssicherheit werden alle wichtigen Aspekte dieser lebensrettenden Vorrichtungen beleuchtet.