Ratgeberübersicht
  1. Wie erkenne ich gute Bremsflüssigkeiten?
  2. Welche Bremsflüssigkeit passt zu mir?
  3. Welche Bremsflüssigkeiten sind laut Tests am besten?
  4. Was kosten Bremsflüssigkeiten?

Die Bremsflüssigkeit dient dazu, die entstandene Kraft vom Bremspedal zur Radbremse zu übertragen. Außerdem wirkt Bremsflüssigkeit wie ein Schmiermittel auf die beweglichen Teile der Bremsanlage und hilft so gegen die Entstehung von Rost. Die Beschaffung und Veränderung dieser Flüssigkeit spielen eine große Rolle. Deshalb sollte jeder Autofahrer sie regelmäßig austauschen lassen. In diesem Ratgeber erfahren Sie die wichtigsten Fakten zu Bremsflüssigkeiten.

Wie erkenne ich gute Bremsflüssigkeiten?

Wie beim Motoröl gibt es auch in Sachen Bremsflüssigkeit erhebliche Unterschiede. Hierzu zählen nicht nur große Preisunterschiede. Nicht jede Flüssigkeit ist beispielsweise für jedes Auto geeignet. So gibt es einige Punkte, auf die Sie beim Kauf achten sollten:

  • Viskosität: Die Zähflüssigkeit spielt für die Funktion der unterschiedlichen Bremssysteme eine erhebliche Rolle. Moderne Regelsysteme benötigen beispielsweise eine besonders niedrige Viskosität
  • Trockensiedepunkt: Ist die Flüssigkeit noch ungeöffnet, handelt es sich um den Trockensiedepunkt. Normalerweise liegt dieser zwischen 240 und 280 °C
  • Nasssiedepunkt: Im Laufe der Zeit nimmt die Bremsflüssigkeit aus ihrer Umgebung Feuchtigkeit auf. Damit sinkt der Siedepunkt. Ab einem Wassergehalt von 3,5 % sollten Sie die Bremsflüssigkeit austauschen
  • DOT-Klassen: DOT steht für “Department of Transportation”, also das amerikanische Verkehrsministerium. Es wird zwischen 4 Klassen unterschieden. Diese variieren in ihrem Siedepunkt und ihrer Kälteviskosität.

Welche Bremsflüssigkeit passt zu mir?

Wenn es um Bremsflüssigkeiten geht, lassen sich 2 Hauptarten unterteilen: DOT und Mineralöl. Beide Arten haben ihre Vor- und Nachteile. Um Ihnen ein besseres Bild zu verschaffen und herauszufinden, welches der beiden Produkte am besten zu Ihrem Auto passt, können Sie die Beschreibungen in der folgenden Auflistung nochmal nachlesen:

DOT für einen höheren Siedepunkt

DOT wird selbst nochmal in 4 Kategorien unterteilt: DOT 5, 4, 3 und 5.1. Hier liegt der unterschied in der Basis. DOT 5.1 besteht auf Silikonbasis. 3, 4 und 5 auf Basis von Glykolether. Im Wesentlichen unterscheiden sich die jeweiligen DOT-Sorten in ihrer Viskosität und der Siedetemperatur. Die DOT-Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch. Das bedeutet, sie bindet Wasser. Somit sinkt der Siedepunkt nach einiger Zeit.

DOT sollte einmal im Jahr gewechselt werden. Dies garantiert eine einwandfreie Funktion der Bremsanlage. Da DOT den Lack Ihres Autos und auch Ihre Haut angreift, muss beim Wechsel sehr vorsichtig gearbeitet werden. Da hilft sonst keine Autopolitur mehr. Vorteil hier ist jedoch, dass DOT wasserlöslich ist und sich somit leichter entfernen lässt.

    Vorteile
  • Der Siedepunkt ist höher
  • Wasser in der Bremsanlage wird gebunden
  • Risiko eines Nachlassens der Bremswirkung geringer
    Nachteile
  • Stark ätzend
  • Die Wartung ist intensiver
  • Muss öfter gewechselt werden

Mineralöl für umweltbewussteres Fahren

Da Mineralöl kein Wasser bindet, bleibt seine Qualität länger erhalten. Beim Mineralöl ist der Trockensiedepunkt an sich niedriger. Das Wasser in der Mineralölleitung kocht ab 100 °C. Dies führt zu einem höheren Risiko des Bremsschwunds. Es kommt also eher zu einem Verlust des Druckpunktes. Mineralöl sollte jedoch unter keinen Umständen auf die Bremsscheiben gelangen.

    Vorteile
  • Greift Lack und Haut nicht an
  • Nicht hygroskopisch – kein häufiger Wechsel
  • Umweltverträglicher
    Nachteile
  • Reagiert empfindlicher auf hohe Temperaturen
  • Nicht sehr leicht zu entfernen
  • Hohes Risiko des Druckpunktverlusts

Welche Bremsflüssigkeiten sind laut Tests am besten?

Die perfekte Bremsflüssigkeit zu finden ist kein Kinderspiel. Bewertung von bekannten Testinstanzen können weiterhelfen. Jedoch liegen noch keine Testergebnisse zu Bremsflüssigkeiten von Stiftung Warentest vor.

Eine geeignete Bremsflüssigkeit zu finden, ist um einiges aufwendiger als beispielsweise einen Felgenreiniger oder andere Fahrzeugutensilien zu kaufen. Zuerst sollten Sie herausfinden, welche DOT-Klasse ihr Auto benötigt. In Europa sind DOT 3 und 4 die gängigsten Klassen. Halten Sie sich beim Kauf strikt an die Angaben Ihres Herstellers.

  • DOT 3: Diese Bremsflüssigkeiten dürfen nicht mit anderen Sorten vermischt werden. Meist sind sie in älteren Automodellen vertreten
  • DOT 4: Für moderne Autos und einen höheren Siedewert. Einige Hersteller bieten für Autos mit elektronischen Bremssystemen Produkte auf dieser Basis, mit einer geringeren Viskosität an. Sie finden diese Produkte mit dem Begriff „Pro“, „Plus“ oder „HP“ im Namen
  • DOT 5: Auf dem amerikanischen Markt ist diese Klasse beliebt. Es ist eine Flüssigkeit auf Silikonbasis
  • DOT 5.1: Nicht zu vergleichen mit der vorherigen Klasse. Sie wird auf mineralischer Basis hergestellt. Vorteil an dieser Klasse ist, dass der Siedepunkt nur minimal sinkt. Dies ist der Fall, da sich diese Art der Flüssigkeit optimal mit Wasser verbinden kann. Außerdem kann sie mit Klasse 3 und 4 vermischt werden

Das Nachfüllen neuer Bremsflüssigkeit ist demnach kein Problem, wenn Sie wissen, welches Produkt sich für Ihr Fahrzeug eignet. Selbstverständlich ist es immer gut zu kontrollieren, welche Flüssigkeit sich aktuell darin befindet.

Wie oft Bremsflüssigkeit gewechselt werden muss, hängt zum einen vom Wassergehalt ab. Beträgt dieser 3,5 %, ist ein Wechsel notwendig, denn damit ist der Nasssiedepunkt erreicht. Sie sollten den Wert mindestens einmal im Jahr in einer Werkstatt überprüfen lassen. Zum anderen steht das Intervall des Bremsflüssigkeitswechsels in der Regel auch im Handbuch des Fahrzeugs – alle 2 Jahre ist die gängige Praxis.

Das Austauschen der Bremsflüssigkeit sollten Sie jedoch ausschließlich Profis überlassen. Um zu prüfen, wann Sie Ihr Fahrzeug in die Werkstatt (zum Beispiel ATU oder ATE) bringen sollten, eignet sich ein KFZ-Diagnosegerät. Nicht selten muss nach dem Auffüllen die Bremsanlage entlüftet werden. Wenn etwas von der Flüssigkeit in den Motorraum gelangt ist, muss dieser gründlich gesäubert werden. Bremsflüssigkeit wirkt korrosiv. Außerdem ist sie außerordentlich gesundheitsschädigend. Nach dem Öffnen darf sie nicht aufbewahrt werden. Die Gefahr, dass sich Wasser angesammelt hat, ist zu groß. Reste können Sie auf einem Werkhof in Ihrer Nähe entsorgen.

Was kosten Bremsflüssigkeiten?

Der Preis für eine gute Bremsflüssigkeit ist zu Vergleichen mit dem Preis, den Sie für einen guten Scheibenwischer ausgeben müssen. Die obere Preisklasse liegt etwa bei 20 €. Jedoch gibt es gewaltige Unterschiede zur niedrigen Preisklasse. Welches Produkt sich schlussendlich für Sie eignet, hängt von Bremszylinder, Bremsanlage und den Schläuchen Ihres Fahrzeuges ab.

Preiswerte Bremsflüssigkeiten: 2 bis 5 €

Im Segment der günstigen Bremsflüssigkeiten finden Sie Produkte mit einer niedrigeren Haltbarkeit. Diese Bremsflüssigkeiten sind zudem meist nicht besonders umweltfreundlich. Für günstige Bremsflüssigkeit geben Sie zwischen 2 und 5 € aus.

Bremsflüssigkeiten im mittleren Preissegment: 5 bis 15 €

Das mittlere Preissegment bietet schon bessere Produkte. Diese müssen Sie weniger oft wechseln lassen. Jedoch wurde hier auf die Verpackung keinen Wert gelegt, sie sind oft recht unhandlich. Die Preisspanne liegt hier zwischen 5 bis 15 €.

Teure Bremsflüssigkeiten: 15 bis 25 €

Zum Schluss nun noch zu den Produkten für etwas mehr Geld. Hier ist die Qualität vielversprechend. Auch die Handlichkeit ist um einiges besser. Ob der Preis jedoch gerechtfertigt ist, liegt am Ermessen des Kunden. In diesem Segment gibt es Flüssigkeiten für bis zu 23 € pro Liter.

Nun sind Sie bestens auf den Wechsel vorbereitet. Welches Produkt am besten zu Ihnen passt, können Sie an den Vor- und Nachteilen entnehmen. Gute Fahrt mit Ihrem frisch aufgefüllten Auto.